Abenteuer in Patagonien

Alleine in der Wildnis



Die Vorbereitung

Am 2. Weihnachtsfeiertag 2003 wollte ich mich auf den Weg machen, um die rauhe Wildnis Feuerlands am eigenen Leib zu spüren, ohne Netz und doppelten Boden. Ziel war die halbe Umrundung des Lago Yehuin und Rückkehr auf die Ruta 3, um dort per Anhalter pünktlich zu Silvester wieder in Rio Grande zu sein. Auf meiner Packliste standen die wichtigsten Dinge:

Das Navi um Entfernung und Richtung zu bestimmen. Anhand der Koordinaten konnte ich auf der Karte den aktuellen Standort ermitteln. Der Kompass für den Fall, dass die Technik versagt. Reis und Brühe zum Mittagessen und Müsli zum Frühstück und Abendbrot. Wichtig natürlich der Fotoapparat, leider nur ein einfaches Modell mit Film.

Grillen am Lago Yehuin
Vergrößern Google Maps

Um noch einmal aus dem Vollen zu schöpfen, traf ich mich mit Freunden am Lago Yehuin und wir bereiteten ein Asado am offenen Feuer zu, so wie es sich für ein argentinisches Grillen gehört.

Große Erwartungen

Uferstreifen am Lago Yehuin
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Am frühen Nachmittag ging es los. Zuerst hielt ich mich einige Zeit am Ufer des Lago Yehuin auf, wie dieses Bild zeigt. Der Weg war sehr anstrengend, es war ein ständiges wanken zwischen dem Seeufer und dichtem Geholz. Trotzdem erwachte von Anfang an ein Glücksgefühl in mir. Es war eine Mischung aus Vorfreude, Spannung, Neugier und Angst, das schöne Wetter tat seinen übriges.

Typischer Feuerlandwald mit Moos und umgefallenen Bäumen
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Vor mir stand eine mehrtägige Tour durch die Wildnis, fernab von jeder Straße, jedem Bauernhof und jedem Handysignal. Fernab von jeder Unterhaltung, jeder Geselligkeit und jedwediger Hilfe im Notfall. Vor mir stand aber auch die Motivation und der Wille diese Tour alleine und aus eigener Kraft durchzustehen.
Es sollte eine Tour durch die schönste und naturbelassenste Gegend von Tierra del Fuego (Feuerland) werden, eine Möglichkeit Natur und Tiere hautnah zu erleben.
Das vorherige Bild zeigt den typischen Weg am zweiten Tag, nachdem das dichte Unterolz nachgelassen hatte.

Die Pilze an den Bäumen werden 'Pan de Indio' genannt
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Zu diesem Zeitpunkt liefen die Füße noch wie zur ersten Stunde, der Körper war noch voller Kraft.
Wie oft auf Feuerland hingen die Bäume voll mit diesem Moos, der ein Indikator für die Reinheit der Luft sein soll. Viel Moos bedeutet reine Luft, wenig Moos, Industrie in der Nähe. Die runden Pilze auf den Bäumen, wie auf dem vorherigen Foto nennen sich Pan De Indio, heißt übersetzt Brot der Indianer. Die Ureinwohner sollen es gegessen haben, da es überall an den Bäumen wächst.

Nachtlager am Lago Yehuin, zwischen Bibern und Füchsen
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Während ich mich am ersten Abend bis in die Dunkelheit lief und mich nur mit meinem Schlafsack neben einen umgefallenen Baum gelegt hatte, nahm ich mir am zweiten Abend ein wenig mehr Zeit. So konnte ich mir einen interessanten Platz suchen und die Gegend noch im Hellen genauer ansehen. Dazu gab es zur Belohnung für die zurückgelegten Kilometer auch ein Lagerfeuer.

Die Natur kennt kein Pardon

Kämpfende Füchse Kämpfende Füchse


So konnte ich einige interessante Entdeckungen machen. So z.B. die beiden Füchse, die ein ernsthaftes Problem miteinander hatten. So sah ich die beiden, die sich immer wieder durch das Gras jagten. Auf einem großen umgefallenen alten Baum schlich ich mich an die kämpfenden Tiere heran. Das immer brutaler werdene Schauspiel spielte sich direkt vor mir ab, als wenn ich nicht anwesend wäre. Anfangs kam es mir vor wie das Anschauen eines Dokumentarfilmes. Doch sehr schnell ließ sich die Ernsthaftigkeit spüren. Spätestens als es klang wie splitternder Knochen, war es mit mir als naiven Zuschauer vorbei, mir wurde der Hals trocken und in meiner Magengrube breitete sich ein unangenehmes Gefühl aus.

Vogel im Baum
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In den paar Tagen meiner Tour sollte ich noch so manch ein Tier aus der Nähe kennenlernen. Nicht immer war es so spektakulär wie die Füchse, manchmal nur ein schöner Vogel.
Das nächste Foto zeigt eine Wiese und unter dem Google Maps Link die Satelittensicht. Erstaunlich wie klein alles bei Goggle Maps wirkt.

Kein Weg, nur Büsche, Bäche und Felsen

Warum steht hier kein Baum mehr, Biber, Sturm oder Menschen?
Vergrößern Google Maps

Dieses Foto erinnert mich an die Zeit, in der ich von Morgens bis Abends gelaufen bin. Das machte natürlich auch meinen Beinen zu schaffen, sie wurden von Stunde zu Stunde schwerer. Man darf sich den Weg nicht wie auf einem Wanderweg vorstellen, eben und ohne Hindernisse. Es ging nur querfeldein. Ständig musste ich über umgestürzte Bäume steigen, Büsche, Bäche und Felsen umqueren.
Auf dem Google Maps Link kann man ganz gut sehen, wie die Tour verlaufen ist. Die Karte, welche ich mit mir trug, war doch so grob, das ich mir das wahre Ausmaß der Zerklüftung nicht vorstellen konnte. Erst jetzt weiß ich, das ein paar huntert Meter Luftlinie vermutlich mehrere Stunden Fußmarsch in Anspruch nahmen.

Tote Kuh
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Nicht nur lebende, auch tote Tiere gab es zu sehen:

Typisches Bild, ein Baum wurde durch einen Biber angefressen
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Folgendes Foto zeigt einen typischen Biberbaum. Die Biber verändern zum Teil beträchtlich das Landschaftsbild. So gibt es Grasflächen auf denen nur noch die Baumstümpfe vom einstigen Wald zeugen. Aus einem kleinen Fließgewässer werden mehrere hundert Quadratmeter große Seen.

Vielleicht ein Nerz?
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Oft gab es die Gelegenheit Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Dazu brauchte man nur die nötige Aufmerksamkeit, Zeit und Geduld. Aufmerksamkeit um die Tiere zu entdecken, Zeit und Geduld um unbeweglich eine halbe Stunde auf einer Stelle zu verharren.

Grandioser Ausblick über Feuerländischen Wald
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Gegen Ende der Reise, stieg ich auf einen Baum um zurück zu blicken und dieses grandiose Foto zu machen.




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