
Rio Grande wurde 1927 ausgehend von der Estancia Harberton gegründet. Die Stadt liegt an der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Atlantik. Rio Grande ist das ökonomische Zentrum der Provinz Tierra del Fuego (Feuerland), so findet man in Rio Grande eine Vielzahl von Industriellen Ansiedlungen. Als weitere Hauptwirtschaft gilt die Schafzucht. Rio Grande hat ein Stadtzentrum mit einigen Supermärkten, Kleidergeschäften, CD Läden und alles was man zum Leben benötigt.

Rio Grande ist eine Stadt, die geprägt ist von Einwanderern aus anderen Provinzen. Eine Vielzahl von Menschen sind
nach Rio Grande gekommen, um hier bessere Verdienstmöglichkeiten zu nutzen. Tierra del Fuego lockt Menschen und
Industrie mit Steuervergünstigungen. Man verdient auf Feuerland im Schnitt mehr als im Norden des Landes, so gibt
es hier weniger Armut und weniger Arbeitslose als in anderen Teilen des Landes.
In der Urlaubs- und Ferienzeit zwischen Dezember und März fahren viele Einwohner in die Städte, wo sie
ursprünglich herkommen oder machen Urlaub in einer der nördlichen
Provinz. In Frage kommen dazu Gegenen mit milden Klima, wie Cordoba, Mendoza oder Buenos Aires.
So kann sich die Zahl der Anwesenden Einwohner im Sommer schon mal um einige Prozent reduzieren.
Viele Menschen, denen ich in meiner mehrmonatigen Zeit in Rio Grande begegnet bin, mögen die Stadt nicht.
Das liegt vor allem daran, dass es nicht ihre Heimat ist. Das rauhe Klima in der Region
kann dafür natürlich keinen Ausgleich schaffen. Viele wollen auch nur für eine absehbare Zeit hier
verweilen und dann in wärmere Regionen zurückkehren, wahrscheinlich werden es dann doch mehr Jahre als geplant.
Die Menschen in Rio Grande arbeiten sehr hart. Um einigermaßen den Lebensstandard aufrecht zu erhalten, den es
vor der Krise 2000/2001 gab, muss man doppelt soviel arbeiten. So verbringen viele 12 und mehr Stunden am Tag mit arbeiten.
Wenn man 12 Std. in einem Supermarkt arbeitet
kann man bis zu 900 Peso (ca. 300€) verdienen, in einer Fabrik bis zu 1200 Peso (400€). Als Ingenieur bis zu 6000
Peso (2000€). Ich habe 900 Peso zum Leben gehabt, das sind nur ca. 300€, aber man kommt damit über die Runden.
Alle Produkte kosten umgerechnet nur ein Drittel und weniger als in Deutschland. So bekommt man für 60 Eurocent
eine Schachtel Marlboro Zigaretten, ein Liter Benzin für 30 Cent, ein Apartment für 100 Euro. Ich konnte mit meinen
1000 Peso leben, allerdings habe ich kein Geld für Versicherungen, Kredite oder ein Auto ausgeben müssen.
Rio Grande hat ca. 55.000 Einwohner, ist aber oft wie ein Dorf. Jeder kennt jeden, wenn man jemanden kennenlernt,
kann man sicher sein, daß man einen seiner Bekannten bereits kennt. Neuigkeiten verbreiten sich sehr schnell.
Im Jahr 2003 war ich das erste mal dort, im Jahr 2006 das zweite mal. In den drei Jahren hat sich einiges getan
in Rio Grand. Die Stadt ist industriell ein ganzes Stück gewachsen und der Verkehr hat beachtlich zugenommen (besonders LKW).
Ich habe das Gefühl gehabt, das es den Menschen im allgemeinen auch finanziell besser ging.

Rio Grande ist eine Stadt, die nicht viele Touristen anzieht. In den Reiseführern dieser Welt wird sie als
uninteressante Durchgangsstadt beschrieben. Ganz so einfach zu beschreiben ist die Stadt aber nicht. Rio Grande
ist ein idealer Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten. Die weitaus berühmtere Stadt Ushuaia
(das Ende der Welt) ist von hier aus mit dem Bus gut zu erreichen und in Rio Grande ist alles wesentlich billiger
als in Ushuaia. So zahlt man in Ushuaia als Tourist schon mal den Hotelpreis in Euro, den man in Rio Grande in Peso
bezahlt.
In der Stadt kann man sich am besten mit dem Remis oder Taxi fortbewegen, es fahren zwar auch Busse, aber das ist nicht
ganz so einfach. Remis (Privattaxis) und Taxen sind sehr günstig, einmal durch die Stadt kostet mit dem Taxi 6 Peso (2€)
und mit dem Remis 4 Peso (1,20€).
Es gibt zwei Oficinas de Tourismo, ein Offizielles und ein Privates. Das Private, in einem Hotel gelegen, soll besser sein.
Es gibt im Internet eine Menge Informationen zu Unterkünften und Angebote für Touren, Angeln und andere Aktivitäten,
leider ist das meiste auf Spanisch.
Es gibt ein paar Diskotheken und einige Bars. Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland ist, das man erst ab 3 Uhr
in der Nacht in die Disko geht. Davor schläft man oder wärmt sich schon einmal mit ein paar Freunden auf. Wenn die
Disko dann 3 Stunden später um 6 Uhr wieder zu macht, dann geht man in eine Tankstelle oder ähnliches und frühstückt.
Alkohol gibt es nur bis 23 Uhr zu kaufen, danach nur noch in Bars, Restaurants und Diskotheken. Das ist eine dumme
Regelung um Probleme, verursacht durch Alkohol, zu vermindern.
Disko mit gemischter Musik, viel Cumbia und Cuarteto. Einen unteren Bereich für alle unter 18 Jahre und einen oberen Bereich mit Alkoholausschank. Kaskotte hat den Ruf eine Teenagerdisko mit vielen jungen Leuten ab 14 Jahre. Eintritt 5 Peso
Das Dylance ist eigentlich eine Bar, in der aber viel getanzt wird. Sie ist bei den Jungen und jung gebliebenen Leuten sehr angesehen. Eintritt für Männer ab 21 Jahren für 5 Peso, für Frauen ab 18 kostenlos (unter 21, bzw 18 ist der Eintritt nicht erlaubt).
und das wird nicht nur von dem örtlichen Tourismusbüro gesagt, sondern ist auch über die Grenzen von Tierra del Fuego
hinaus bekannt. Jedes Jahr kommen zahlreiche Touristen aus Amerika, Australien und anderen Ländern nach Rio Grande,
um hier zu angeln. Manche zahlen dafür viele Tausend Dollar für eine Rundumbetreuung und die besten Plätze.
Beim Angeln gibt es eine Regel. Du darfst angeln soviel du willst (wenn du die Lizenz gekauft hast, 80 Peso), du
darfst aber nur ein Fisch pro Tag und Person töten, die anderen müssen wieder zurück ins Wasser. Die Angler stehen
Stundenlang am Wasser um am Schluss einen Fisch mit zu nehmen, man muss dieses Hobby schon lieben um das mitzumachen.
Ich bin leider nicht in den Genuss gekommen das Fischen auszuprobieren.
Praxissemester in Rio Grande, Argentinien
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